Wie oft versuchst du, in einem Gespräch am Gesicht deines Gegenübers abzulesen, ob deine Idee wirklich ankommt oder ob nur höflich genickt wird? Wir alle verlassen uns stark auf Mimik, um andere einzuschätzen.

Doch was passiert, wenn die Hälfte dieses Gesichts verdeckt ist? Die Pandemie hat uns vor diese Herausforderung gestellt. Viele von uns haben sich gefragt, ob eine Maske die Kommunikation stört und uns vielleicht sogar weniger vertrauenswürdig erscheinen lässt. Du hast es sicher selbst erlebt und dir vielleicht gedacht, dass wichtige Nuancen verloren gehen. Genau diese Unsicherheit hat die Wissenschaft aufgegriffen. Die zentrale Frage lautet: Beeinflusst eine Gesichtsmaske, wie wir die Glaubwürdigkeit einer Person bewerten, oder verlassen wir uns am Ende doch auf etwas ganz anderes?

The Science Behind the Story

Ein Forschungsteam um Norah Dunbar wollte genau das herausfinden und hat sich dafür eine Situation mit hohen Anforderungen an Glaubwürdigkeit angesehen: Zeugenaussagen vor Gericht. Die Forschenden stellten sich die Hypothese auf, dass Zeug:innen mit Maske als weniger vertrauenswürdig wahrgenommen werden. Sie vermuteten auch, dass eine schwarze Maske diesen Effekt verstärken könnte und dass die Art der Aussage, ob emotional oder sachlich, eine Rolle spielt.

Um das zu prüfen, führten sie zwei experimentelle Studien durch. In der ersten Studie sahen über 300 Teilnehmende Videos von Schauspieler:innen und Professor:innen, die eine Zeugenaussage über einen beängstigenden Flug machten. Es gab verschiedene Versionen: mal trugen die Sprechenden eine weiße Maske, mal eine schwarze und mal gar keine. Zusätzlich wurde die Aussage einmal sehr sachlich und einmal sehr emotional vorgetragen. Die Teilnehmenden bewerteten danach auf Skalen, wie glaubwürdig und vertrauenswürdig sie die Person fanden. In einer zweiten, einfacheren Studie wiederholten die Forschenden das Experiment nur mit den Videos der Professor:innen und einer sachlichen Aussage, um den reinen Effekt der Maske zu isolieren.

Das Ergebnis beider Studien war eindeutig und widerlegte die Hypothesen der Forschenden komplett. Weder das Tragen einer Maske noch deren Farbe hatte einen signifikanten Einfluss darauf, wie glaubwürdig oder vertrauenswürdig eine Person eingeschätzt wurde. Auch die emotionale oder sachliche Art der Aussage änderte nichts an diesem Befund. Interessanterweise zeigten sich in der ersten Studie andere Effekte: Die Teilnehmer:innen aus einem breiteren Online-Panel bewerteten die Zeug:innen generell als vertrauenswürdiger als die Studierenden. Und weibliche Sprecherinnen wurden als glaubwürdiger eingestuft als männliche Sprecher. Die Maske selbst spielte aber keine Rolle. Die Forschenden räumen als Limitation ein, dass ihre Studie eine eher ruhige Zeugenaussage nachbildet und nicht unbedingt auf ein hitziges Kreuzverhör übertragbar ist.

a cup of coffee next to a calculator

Photo by Ben Wicks on Unsplash

Was das für den Alltag bedeutet

Auch wenn du wahrscheinlich selten im Zeugenstand stehst, ist diese Erkenntnis für deinen Arbeitsalltag relevant. Du triffst täglich unzählige kleine Glaubwürdigkeitsurteile. Ob im Online-Meeting, wo die Kameraqualität schlecht ist, im Gespräch mit einer Person, deren Mimik du schwer deuten kannst, oder eben in Situationen, in denen aus gesundheitlichen Gründen Masken getragen werden.

Die Forschung deckt hier einen typischen Denkfehler auf. Wir überschätzen systematisch die Bedeutung des Gesichts für die Einschätzung von Ehrlichkeit und Kompetenz. Wir glauben, in der Mimik die Wahrheit zu sehen, und suchen nach kleinen Zuckungen um Mund oder Augen. Diese Studie legt nahe, dass wir dabei möglicherweise wichtige andere Signale übersehen. Die eigentliche Substanz einer Aussage, also die Worte, die Logik und die Stimmigkeit der Argumente, scheint für unser Urteil am Ende doch entscheidender zu sein, als wir annehmen (Zumindest nach dieser Studie, andere Untersuchungen deuten in eine andere Richtung. So ist das eben mit Forschung manchmal :D). Unsere Konzentration auf das Gesicht könnte uns sogar von dem ablenken, was wirklich zählt. Das bedeutet auch, dass deine Sorge, mit Maske oder bei schlechter Videoübertragung weniger überzeugend zu wirken, wahrscheinlich unbegründet ist.

Outro

Wir hoffen, dieses Briefing hat dir gefallen und du fandest es für dich und deine Organisation wertvoll. Wenn ja, würden wir uns sehr freuen, wenn du diesen Beitrag an ein bis zwei Personen weiterleitest, die ihn ebenfalls nützlich finden könnten!

Wenn Du mehr dazu wissen willst, wie das Deiner Organisation helfen könnte, schick uns gern eine Nachricht an hallo@fourfates.de.

Bis nächste Woche!

Hat dir dieser Beitrag gefallen? Teile ihn mit anderen!

Teilen

Wurde dir dieser Beitrag weitergeleitet? Abonniere hier kostenlos

Quellen

Dunbar, N., Denault, V., Otmar, C., Wertheimer, A., & Abra, G. (2025). Face Masks and Interpersonal Perceptions: Null Effects on Perceived Trust and Credibility. Journal of Nonverbal Behavior, 49, 409–423. https://doi.org/10.1007/s10919-025-00491-2

Beste Grüße und bis uns das psychologische Schicksal wieder zusammenführt,
Moritz und Nico
Wirtschaftspsychologie-Briefing

AVGS Gutschein hochladen

Schön das du deinen Weg zu uns gefunden hast!

Kontaktformular